| 01. | 02. | 03. | 04. | 05. | 06. | 07. | 08. | 09. | 10. | 11. | 12. | 13. | 14. | 15. | 16. |
| 17. | 18. | 19. | 20. | 21. | 22. | 23. | 24. | 25. | 26. | 27. | 28. | 29. | 30. | 31. | 32. |
REISEBERICHT 20. Tag - Dienstag 18. Juni 2002
Seward - Soldotna - Kenai - Soldotna - Summit Lake CG
Wir wachen auf mit tiefhängenden Wolken. Gut das wir doch keine Tour gebucht haben. Nach einem kleinen Einkauf steht unsere nächste Aktion an: Duschen gehen.
Am Hafen gibt es eine öffentliche Toilette mit Duschen. Der Zustand ist gerade so akzeptabel. Wir verschwinden zusammen auf der Männertoilette.
Kostenfaktor Duschen: 2 Dollar. Also erstmal 8 Quarter besorgen. Als wir das geschafft haben und uns ausgezogen haben, stellen wir fest, dass die Dusche nicht zugeht.
Also nochmal umziehen (räumlich gesehen). Dann ist es wie in einem schlechten Sketch. Zu zweit unter der Dusche - Geld reinstecken - warten - und raus kommt - nischt.
Na ja doch ein kleiner feiner eiskalter Strahl erbarmt sich und tropft auf den Boden. Das war ein mühsames und echt hartes, weil kalt, Waschen. Da auch Haarwäsche auf dem Programm steht,
gibt es nun Kopfschmerzen. Na die 2 Dollar hab' ich mir gleich zurückgeholt (gleich um die Ecke sitzt der Betreiber).
Von Seward fahren wir heute auf der Kenai-Halbinsel in Richtung Soldotna und Kenai.
Hier ist inzwischen auch wieder hervorragendes Wetter. Unterwegs schaffen wir es einen Haufen Schrottautos zu erspähen.
Der Eigentümer, vielleicht war er's auch gar nicht, erlaubt uns alles an Kennzeichen abzuschrauben, was wir wollen.
An der Strecke sehen wir zum ersten Mal die zahlreichen Angler, die sicher in den nächsten Wochen noch viel mehr werden.
|
|
|
|
Unser erstes Ziel in Kenai ist ein K-Mart (wir suchen mal wieder Kinderschuhe) und danach die Touristeninformation. Auf unsere Frage, wo man denn eventuell Bären sehen kann, wird uns von einem jungen Mann der seit drei Jahren hier lebt geantwortet, er hätte erst ganze drei Stück gesehen.
Seine junge Kollegin hat in ihren 23 Lebensjahren noch nie einen Bären gesehen. Na das sind ja keine guten Aussichten.
Wir fahren erstmal weiter zum Strand, der fast uns allein gehört. In der Nähe können wir einen Weißkopfseeadler beobachten.
Nicht weit entfernt von der Main Street liegt der Beluga Whale Watchout. Aber auch hier sind wir noch zu früh (siehe Tag 18), Belugawale gibt es nicht zu sehen.
Kenai wurde 1791 als St. Nicholas von den Russen gegründet und ist mit etwa 6.000 Einwohnern die größte Stadt der Halbinsel.
Die russisch-orthodoxe Kirche und einige andere Gebäude erinnern noch stark an die vergangenen Zeiten.
|
|
|
|
Dann trägt sich folgendes zu:
Eine Frau kommt auf uns zu und fragt: "Habt Ihr ein Auto?". Ich denke, Äh? Was will die denn jetzt?
"Ja, am K-Mart ist gerade ein Grizzlybär gesehen worden." Wow - schnell danke gesagt und dann losgeflitzt.
Das wirkt in den leeren und idyllischen Straßen von Kenai schon komisch.
Wir kommen uns vor wie in der 'Versteckten Kamera'. Bestimmt kommen sie gleich mit der Kamera und sagen uns - Ätsch, war nur ein Spaß!
Zum Glück ist Kenai klein und wir waren vorhin schon in dem Markt einkaufen. So verlieren wir kaum Zeit.
Als wir ankommen, sehen wir vom Parkplatz hinter dem Markt schon die Polizei und ein paar Schaulustige in ihren Autos.
Als tollkühner Tourist steigt man natürlich aus, schnappt seine Kamera und nähert sich dem Geschehen zu Fuss.
Aber wir bekommen schnell ein Stoppzeichen von der Polizei gesetzt. Wir können zwar bleiben, müssen aber in unser Auto.
Na gut - das ist aber erstmal wenig aufregend, da nichts weiter zu sehen ist und auch nichts passiert.
Hinter dem Supermarkt ist ein Waldstreifen von vielleicht maximal 200 Meter Länge und 50 m Breite. Da muss er drin sein. Also umrunden wir erstmal das gesamte Gelände.
Aber an allen Seiten steht bereits Polizei. Man kommt nicht dichter heran. Die besten Möglichkeiten sind an der Ladestraße hinter dem Supermarkt. Hier stellen wir uns erstmal hin.
Das war ein guter Schachzug - in mehrfacher Hinsicht. So kommen wir zum Beispiel in die Gelegenheit mit dem Polizeichef persönlich zu sprechen.
Er erzählt uns, dass man nach einem etwa einjährigen Jungtier sucht. Die Mutter wurde erst gestern gesehen. Im Moment weiß man aber nicht wo sie ist.
Margit's Sorge, dass der Bär erschossen wird, teilt er nicht. Man will das Tier nur betäuben und dann fortschaffen.
Aber prinzipiell sind Bären, die einmal in der Nähe von Menschen gewesen sind und eventuell sogar Nahrung gefunden haben nicht ungefährlich.
Margit findet - ein netter Mann - und wir dürfen stehen bleiben.
|
|
|
|
Zwischenzeitlich sieht man eine Menge Leute rumlaufen. Mal mit Gewehr, mal mit Kamera, mal mit Walkie-Talkie.
Und dann kommt der Bär plötzlich genau bei uns aus dem Dickicht, flitzt nahe an unserem Auto vorbei, muss aber wieder umdrehen, weil vor ihm die Straße blockiert ist.
So schnell kann man gar nicht kucken, wie der wieder im Wald verschwunden ist. Mist, kann der sich nicht ordentlich anmelden. Erstmal kein Photo geschossen.
Ich denk' noch so: "Von oben müsste man doch gut sehen", da kommt auch promt ein Feuerwehrwagen angefahren und fährt 50 Meter von uns entfernt seine Drehleiter aus.
Der Chef persönlich und noch ein zweiter Feuerwehrmann schauen sich nun von oben um und stechen mit ihren Zeigefingern Löcher in die Luft.
Ich glaube das hilft den Jungs unten auch nicht viel. Jedenfalls passiert eine Weile nichts. Aber alle rennen noch geschäftig hin und her.
Hinter uns wird inzwischen die Zufahrt mit Hütchen gesperrt. Aber wir dürfen stehen bleiben. Erstaunlich.
Dann ist alles ganz schnell zu Ende. Der Bär kommt wieder an der gleichen Stelle aus dem Wald.
Diesmal wurde er ordentlich akustisch von Margit angekündigt und von mir fachmännisch dreifach per Kamera erlegt. So'n kleiner Kerl - und so'ne Aufregung.
Sonst scheint das aber kaum einer bemerkt zu haben. Wir rufen die Feuerwehr, aber da die Polizei inzwischen die Straße aufgegeben hat kann er über diese in den gegenüberliegenden Wald entkommen.
Tja und dann ist die Geschichte zu Ende. Nach zehn Minuten haben sich alle zerstreut.
Wir beglückwünschen uns nochmal zu der Wahl unseres Standortes (wäre das 'ne Veranstaltung gewesen, wären die Karten mit dem Blick ziemlich teuer gewesen)
und sind noch ganz euphorisiert von dem Erlebten. Unser erster Weg geht zurück zur Touristeninformation, wo man unserer Story ungl&aumL,big lauscht. Aber die freuen sich mit uns.
Na das war ein Erlebnis. Da kann heut' noch kommen was will. In Soldotna geht's nochmal (ergebnislos) zum Shopping.
An der Ausfahrtstraße wird vor Elchen gewarnt. In dieser Saison wurden hier auf diesem Abschnitt bereits über 200 Tiere tot gefahren. Unglaubliche Zahl.
Und tatsächlich sehen wir ein paar Kilometer weiter in der Dämmerung einen mächtigen Elchbullen mit riesigen Schaufeln. Ein toller Anblick - nur schwer zu fotografieren, da er sich immer hinter Blättern versteckt.
Der Tag endet auf dem Summit Lake Campground.
|
|
||
|
|
|