Freitag, 06. August 1998
Nachdem wir uns in den letzten Tagen physisch nicht gerade verausgabt haben, von meinen täglichen Laufeinheiten einmal abgesehen, steht heute wieder eine Wanderung auf dem Programm:
Die Panoramarunde um die Roques de García im Nationalpark Las Canadas del Teide.
Die Tour über ausgetretene, teilweise geröllige Pfade, ist in etwa zwei Stunden leicht zu bewältigen. Die Orientierung ist kein Problem. Der Höhenunterschied beträgt etwa 150m.
Der Weg führt vorbei an Felstürmen und hinweg über Lavafelder hinein in die Ucana-Ebene und anschließend hoch zu den buntschillernden Felswänden der Azulejos.
Beginn der Route ist neben dem Parkplatz am Mirador de la Ruleta unterhalb des Teide. Für einen ersten Eindruck kann man ein paar Stufen zum Mirador hochsteigen. Das erste, nicht zu übersehende Signal setzt der Roque Cinchado (siehe Foto links).
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Am Nachmittag geht es dann weiter über El Portillo in Richtung Güímar zu den Pyramiden. Die Route quer über die Insel ist sehr schön, verlangt aber auf einigen Teilstrecken eine guten Magen (sehr kurvig).
Jahrhunderte lang wurden die Pyramiden von den Inselbewohnern ohne jegliche Nachforschung als zufällige Steinhäufungen der früheren spanischen Bauern als Hilfe für die Urbarmachung des Landes angesehen. Erst nachdem norwegische Urlauber 1991 ihren Landsmann, den Wissenschaftler Thor Heyerdahl auf die Pyramiden aufmerksam machten, wuchs deren Bedeutung.
Heyerdahl, der gerade in Südamerika an den Pyramiden der Inka forschte, unterbrach seine Arbeit und machte einige interessante Beobachtungen die dazu führten, die Gebilde als architektonische Gebäude, die von gelernten Maurern, unter Beachtung der jährlichen Sonnenbewegungen (die Pyramiden sind nach Westen ausgerichtet) zu zeremoniellen Zwecken errichtet wurden.
Diese Vermutungen wurden durch Probeausgrabungen von Archäologen der Universität La Laguna bestätigt. Weltweit gibt es solche Stufenpyramiden in Ägypten, Mexiko, Peru und eben auf Teneriffa.
Kurze Zeit später machte Heyerdahls Freund, der norwegische Reeder Fred Olsen, das Angebot, das 80.000 m2 große Grundstück mit den Pyramiden mittels der Finanzierung eines Kulturparks und auch einer internationalen Stiftung für archäologische Forschung, der das ganze Nettoeinkommen des Parks zukommen sollte, vor der Zerstörung zu retten.
Der Park beinhaltet heute den archäologischen Fundort der Pyramiden, das Museum "Casa Chacona", ein Auditorium mit einem Dokumentarfilm, ein Cafe und ein themenbezogenes Kunstgewerbegeschäft.
Die eigentlichen Pyramiden haben eine rechtwinklige Grundfläche von maximal 50m mal 16m. Vulkanische Steine sind ohne Bindemittel in bis zu acht Ebenen übereinandergeschichtet.
Für die Ecken wurden größere Steine benutzt. Die Oberflächen wurden mit Kies aufgeschüttet.
![]() Die Pyramiden |
![]() Nachbau der Ra II |
![]() Casa de Chacona |
Samstag, 07. August 1998
Heute geht es nochmal in Richtung Puerto de la Cruz und nach La Orotava.
Die Altstadt von La Orotava ist sicherlich einer der schönsten Orte auf der Insel. Dementsprechend ist an vielen Tagen im Sommer das Touristenaufkommen. Im Stadtkern gibt es eine Vielzahl von historischen Gebäuden verschiedenster Stilrichtungen.
Auf dem Weg nach La Orotava besuchen wir die 12.000 m2 große Musterplantage Bananera El Guanche. Gleich am Eingang bekommt man in einem drolligen Film interessante Informationen über die wichtigste Exportfrucht Teneriffas.
Im Garten selber kann man sich ein Bild von den verschiedenen Wachstumsphasen der Banane machen. Daneben können aber auch weitere für uns exotische Nutzpflanzen wie Zuckerrohr, Mango, Ananas, Kaffee und Kakao sowie Kaugummibäume "besichtigt" werden.
Darüber hinaus gibt es tropische Ziergewächse und den brasilianischen Wollbaum zu sehen. Probieren und Kaufen ist möglich. Lohnenswert vor allem für Pflanzenliebhaber.
Der Park ist täglich zwischen 08.30 Uhr und 18.00 Uhr geöffnet.
![]() Auf dem Weg über die Insel |
![]() La Orotava |
![]() Bananera El Guanche |
Sonntag, 08. August 1998
Aus vollem Training heraus, steht heute der Teide auf dem Programm. Für mich zu Fuß und im Laufschritt und für Margit mit der Seilbahn. Da die Zeit zur Besteigung vorher für mich nur schwer zu kalkulieren ist und es mit zunehmender Zeit aufgrund der hohen Temperaturen sicher immer beschwerlicher wird, sind wir bereits sehr zeitig am Vulkan.
Der Pico del Teide als weithin sichtbares Wahrzeichen (auch von einigen Nachbarinseln) ist mit 3.717m Höhe nicht nur die höchste Erhebung der Kanaren, sondern sogar von ganz Spanien. Am Vormittag ist der Vulkan oft von einem Wolkenband eingefaßt. In den Wintermonaten liegt auf dem Gipfel meistens Schnee.
In der alten Landessprache bedeutet der Name des Berges soviel wie Hölle. Er galt als Sitz des feuer- und lavaspuckenden Gottes Guayote, der nur Unheil über die Insel brachte.
Der optisch sehr gleichmäßige Kegel (Schichtvulkan) hat an der Basis einen Durchmesser von annähernd 40 Kilometern. Die einzigartige Region um den Vulkan wurde 1954 zum Nationalpark erklärt. Die geschützte Region mit einer außergewöhnlichen Flora auf einer Fläche von 13.500 Hektar liegt durchweg auf einer Höhe von über 2.000m.
Viele der Pflanzen wachsen nur hier in Region um den Teide (endemisch). An den zentralen Orten und Anlaufpunkten im Park wurden die Pflanzen künstlich angepflanzt.
Der gesamte Nationalpark Las Canadas umfaßt neben dem Teide u.a. auch die bizarre Mondlandschaft der Caldera de las Canadas, die Montana Blanca (2.750m) und die Montana Rajada (2.509m), die sogenannten Teide-Eier (zentnerschwere vulkanische Steine) sowie ein Obsidianfeld. Wahrzeichen sind die Los Roques, Überreste eines Kraterrandes, mit dem 30m hohen Roque Cinchado, der sicherlich mit dem Teide im Hintergrund zu den am meisten fotographierten Objekten auf der Insel zählt.
Allein die Anfahrt mit dem Pkw ist bereits lohnenswert. Dabei spielt es zunächst gar keine Rolle, aus welcher Richtung man sich dem Vulkan nähert. Die (insgesamt vier Zufahrts-) Straßen sind sehr gut ausgebaut und teilweise sehr kurvig. Ein möglicher Weg führt von Puerto de la Cruz durch das Orotava-Tal nach El Portillo. Einen Eindruck vermittelt das Foto oben links ("Auf dem Weg über die Insel").
Von Santa Cruz aus wird El Portillo über die Esperanza-Wälder angefahren. Von dort geht es weiter über die Panoramastraße und vorbei am Observatorium.
Aber auch mit dem Bus (von Las Americas und Puerto de la Cruz) ist der Vulkan erreichbar.
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Während also Margit, wie 300.000 andere Besucher jährlich, an der Bodenstation in 2.356m Höhe auf die erste Bahn (teleférico) wartet, begebe ich mich zum Startpunkt für den Aufstieg (Km-Stein 40 unterhalb der Montana Blanca).
Während sie nur 8 Minuten für die 1.200 Höhenmeter benötigen wird, werde ich wohl etwas länger brauchen. Allerdings habe ich einen gehörigen Vorsprung vor der Abfahrt der ersten Bahn um 9 Uhr.
Im Normalfall wird die Gehzeit zum Gipfel und zurück mit 6-7 Stunden veranschlagt. Zu Zeiten Alexander v. Humboldts waren es noch für den gesamten Auf- und Abstieg 21 Stunden.
Der Aufstieg ist heute im Prinzip technisch problemlos, ist jedoch anstrengend und erfordert eine Menge Kondition. Insbesondere die sich über Mittag entwickelnde Hitze im Sommer (Trinken!) sollte man nicht unterschätzen.
Ich bin schneller als gedacht, nach 1:55 h auf dem Gipfel, bzw. der Bergstation (Rambleta) in 3.555m Höhe. Etwa 15 Minuten vor der ersten Bahn. Hier oben ist doch schon deutlich kühler, aber die Sonne scheint ja mit voller Kraft. Zum Glück kommt Margit bald mit einem wärmenden Pullover.
Nach einer kurzen Pause geht es wieder an den Abstieg, der in 1:05 h geschafft ist. Allerdings ist es in die entgegengesetzte Richtung mit Laufschuhen auf dem teilweise losen Geröll ziemlich gefährlich. Ein, zwei Mal bin ich heftig umgeknickt. Aber die Freude über das Geschaffte überwiegt.
Zu beachten: Seit 1996 ist das Stück von der Rambleta zum Gipfel nur mit einer speziellen Erlaubnis begehbar. Sie wird nach Vorlage des Ausweises kostenlos ausgestellt im Nationalparkbüro in Santa Cruz. Es dürfen maximal 50 Personen gleichzeitig aufsteigen, am Kraterrand selbst dürfen sich lediglich 10 Personen zur gleichen Zeit aufhalten.
Wer den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erleben will, steigt am Nachmittag bis zum Refugio de Altavista auf. Dort kann übernachtet werden (es ist Platz für 68 Personen). Reservierungen sind in der Regel nicht erforderlich, zur Not kann auch auf dem Boden geschlafen werden. Am nächsten Morgen heißt es dann früh aufstehen, um die anderthalb Stunden bis zum Gipfel in Angriff zu nehmen (Taschenlampe!).
Den Rest des Tages wird mal mit gutem Gewissen am Pool gefaulenzt.
Kurz vor dem Abschluß unseres Urlaubs machen wir noch einen Abstecher zur Nachbarinsel La Gomera. Die Insel ist die einzige der Kanaren, die über keinen Flughafen verfügt. Die Schiffsverbindungen sind jedoch sehr gut ausgebaut.
Von Los Cristianos verkehrt dreimal täglich ein Schnellboot (35 Minuten) über San Sebastian nach Valle Gran Rey. Die Fähren nach San Sebastian fahren bis zu zehnmal täglich und brauchen etwas länger.
La Gomera liegt in guter Sichtweite etwa 25 km vor der Südküste Teneriffas. Die Insel ist kleiner und ursprünglicher als die touristisch geprägten Nachbarinseln. Damit geht es hier auch etwas ruhiger zu. Man kann die Insel wahlweise mit dem Mietwagen oder auch mit dem Bus entdecken.
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Wir sind zwar nur einen Tag auf La Gomera, aber es reicht immerhin um sich einen gewissen Überblick zu verschaffen.
Dienstag, 10. August 1998
Unseren letzten Tag auf Teneriffa nutzen wir zu einem Ausflug zur Inselhauptsadt Santa Cruz. Wir fahren nicht über die Autobahn sondern über unsere Lieblingsstrecke im Landesinneren, vorbei am TEIDE.
Im größten Ballungsraum auf Teneriffa liegen keine zehn Kilometer voneinander entfernt die alte Hauptstadt La Laguna und die neue Hauptstadt Santa Cruz. Beide sind mittlererweile fast zusammengewachsen. Santa Cruz bietet sowohl herrliche alte Bausubstanz aber auch moderne Architektur.
Viele der Touristen aus dem Süden nehmen den nur etwa 90-minütigen Weg über die Autobahn gar nicht erst auf sich, denn in den Hotelburgen sind ja vermeintlich alle Annehmlichkeiten für einen schönen Urlaub vorhanden. Häufiger kommen dagegen Touristen aus der Region von Puerto de la Cruz.
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![]() Monumentale Größe als Symbol des Faschismus: Monumento a los Caidos und das Gebäude des Cabildo Insular an der Plaza Espana |
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Am Plaza de Espana konzentriert sich der Verkehr der Stadt. In der Mitte steht das Monumento a los Caidos (siehe Foto), ein Denkmal aus der Franco-Zeit, das zu Ehren der auf der Seite des Diktators gefallenen Kämpfer errichtet wurde. Nachdem das Denkmal in den 70er Jahren häufiger Ziel von Anschlägen war, ist der Fahrstuhl zur Aussichtskanzel gesperrt. Um die Säule herum stehen die Gebäude der Inselverwaltung und das Touristenbüro.
Zu den schönsten Plätzen der Hauptstadt zählt u.a. der Plaza de la Candelaria, westlich der Plaza de Espana . Er ist der Schutzpatronin der Insel gewidmet. Diese steht auf einem Obelisken aus Marmor und schaut über den Platz hinweg. Zu ihren Füßen ducken sich als Symbol der christlichen Unterwerfung vier in Stein gehauene Guanchenfürsten.
Um den Platz herum brodelt das Leben in Restaurants, Bars und auf der Straße.
In der Nähe des Casino befindet sich mit dem Palacio de los Carta einer der schönsten historischen Bauten der Stadt. Das Gebäude wurde von einem Kaufmann in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und hat als Prunkstück einen prachtvollen, von einer Balkongalerie umgebenen Innenhof.
Hauptgeschäftsstraße ist die Calle del Castillo, eine Fußgängerzone, die an der Plaza de la Candelaria beginnt.
Für Sonnenanbeter zu empfehlen ist ein Abstecher zu dem am Fuß des Anaga-Gebirges gelegenen Fischerort San Andres, bzw. einem der schönsten Inselstrände Las Teresitas. Hier gibt es einen goldgelben Strand, etwas was man vielleicht sonst auf der Insel vermißt.
Der Palmenstrand wurde in den 70er Jahren mit Saharasand angelegt und hat zwei Molen und ein künstlich aufgeschüttetes Riff. Noch konnte hier der Bau eines Hotels verhindert werden. Der Strand selber ist jedoch gerade zur Hochsaison in der Regel gut gefüllt.
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Tja, das war's dann. Zwei Wochen Teneriffa sind vorbei - und die reichen eigentlich auch. Wir haben viel gesehen und erlebt. Positiv bleiben uns Land und Leute in Erinnerung. Weniger schön war für uns die an vielen Stellen starke touristische Prägung mit allem was eben damit verbunden ist, insbesondere im Süden. Trotzdem bleibt als Fazit: Daumen rauf - Empfehlenswert.