Gletscher und Südalpen


Als natürliche Wetterbarriere ist der Hochgebirgskamm der Südalpen (ein Faltengebirge ähnlich den europäischen Alpen), deren Gipfel abrupt bis auf eine Höhe von 3.500m ansteigen, für eines der extremsten Niederschlagsregime der Erde verantwortlich. In den Nährgebieten oberhalb der Schneegrenze sammeln sich große Eismassen. Sie bilden schnellfließende Talgletscher, von denen manche 2-3m pro Tag wachsen.

Der Verlauf der Gebirgskette ist so deutlich in die Landschaft gezeichnet, daß man sie selbst auf einem Satellitenfoto problemlos erkennen kann. Diese Linie markiert die Kollisionszone, an der die pazifische Kontinentalplatte auf die indo-australische zudriftet. Derselbe geologische Prozeß, der auf der Nordinsel für den aktiven Vulkanismus verantwortlich ist, hat im Süden eine Serie dramatischer Gebirgsbildungen hervorgerufen. Die Südalpen wurden in den letzten 20 Mio. Jahren über 18.000m hoch aufgeworfen und von ausgleichenden Erosionskräften wieder abgetragen. Sie entstanden vor etwa 100 bis 150 Millionen Jahren. Noch heute haben 27 Gipfel eine Höhe von über 3.000m. Einer davon ist der höchste Berg Neuseelands: der Mt. Cook, benannt nach dem ersten Europäer, der Neuseeland bekannt gemacht hat. Am 14. Dezember 1991 brach am Berg die Spitze ab. Etwa 14 Millionen Kubikmeter Felsen und Eis donnerten talwärts. Seit diesem Tag ist der Berg etwa 10m kleiner. Die erste erfolgreiche Besteigung erfolgte am Weihnachtstag des Jahres 1894.

Die Maori nennen den höchsten Berg Aorangi. Nach ihrer eigenen Mythologie sollen Rangi (Vater Himmel) und Papa (Mutter Erde) Kinder gehabt haben, darunter den Sohn Aorangi (Wolkendurchbrecher). Dieser fuhr mit drei Brüdern in einem Kanu über die Erde. Doch das Kanu war so schwer, daß es auf dem Meeresgrund steckenblieb und zur neuseeländischen Südinsel wurde. Seine Insassen versteinerten. Aus Aorangi wurde Mt. Cook, aus seinen Brüdern wurden Mt. Dampier, Mt. Teichelmann und das Silberhorn.

In seiner unmittelbaren Nachbarschaft befindet sich der Tasman Gletscher, der im Winter zu einer der längsten Skiabfahrten der Welt wird. Der erste Europäer der dieses Gebirge zu Gesicht bekam war 1642 Abel Tasman.

Insgesamt gibt es in Neuseeland 367 Gletscher. Davon befinden sich 360 auf der Südinsel und nur 7 auf der Nordinsel. Der längste ist mit 29 km der Tasman-Gletscher. Damit ist er gleichzeitig der längste Gletscher außerhalb des Himalaya.

Der Franz Jose Gletscher wurde von Julius Haast, einem deutschen Geologen, nach dem österreichischen Kaiser benannt.
In dem Gebiet beherrscht der 12 km lange Gletscher die Szenerie. Die Gletscherzunge ist etwa 800m breit und reicht bis an den Regenwald heran. Der Eispanzer ist bis zu 30m dick. Der Gletscher zog sich bis zum Jahr 1893 stetig zurück. Aber 1909 wurde innerhalb von nur 13 Monaten ein Längenzuwachs von 50m gemessen. Seit dieser Zeit ist ein ständiger Wechsel zwischen Schrumpfen und Wachsen zu beobachten. Etwa um 1965, vergrößerte sich der Gletscher innerhalb von nur vier Monaten um 115m, bis er im August 1967 noch einmal zulegte und schließlich bei einem Gesamtzuwachs von 375m stehenblieb. Der letzte große Zuwachs ist aus dem Jahr 1983 bekannt.
Eine 6,5 km lange Schotterpiste führt zum Glacier Terminal Walkway. Auf dem Weg passiert man einige schöne Stellen, die eine gute Aussicht auf den Gletscher bieten. Am Parkplatz befindet sich eine kleine offene Hütte mit Informationstafeln zur Gletscherregion. Ein Weg von ca. 40 min, teils durch das weite Flußbett von Waiho River, teils auf dessen Uferkamm entlang, führt über Felsen und Steine, die von tonnenschweren Eismassen glattgeschliffen wurden. Am Ende kommt man zum Aussichtspunkt (view point). Von hier hat man einen vorzüglichen Blick auf das Gletschertor. Aus dem Tor des Franz Josef Gletschers fließt der Waiho River, der eisiges Schmelzwasser und viel Geröll transportiert.

Ganze 25 km Entfernung trennen den Fox Gletscher vom Franz Josef Gletscher. Kein weiterer Gletscher in der Welt reicht so dicht ans Meer heran, wie diese beiden. Einzigartig für die gemäßigten Breiten schieben sich beide bis auf eine Meereshöhe von 300m hinunter. Der Fox Gletscher wurde nach dem Premierminister Sir William Fox benannt, der diese Gegend besucht hatte. Dieser Gletscher ist mit einer Länge von 13,5 km etwas länger als der Franz Josef Gletscher.

Die Informationen wurden dem REISEFÜHRER NATUR - NEUSEELAND von Matthias Schellhorn entnommen (BLV Verlagsgesellschaft München 1993).

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