N E U S E E L A N D - Die Nordinsel Teil II


[Bild33] 22. Dezember 1996
Heute kommen wir nur schwer in die Gänge. Wir fahren auf den Highway 2 in Richtung Ostküste.
Den ersten Halt legen wir 30 km nördlich von Masterton im Mount Bruce Native Bird Reserve ein. Hier befindet sich eines der größten Reservate für Vögel, die hier in ihrer natürlichen Umgebung frei umherfliegen können. Unter ihnen sind vor allem einheimische Arten (z.B. der Indian Myna-Bird und der Tui). Viele der Arten sind bereits vom Aussterben bedroht. Dank Margit können wir uns die wunderschöne Anlage kostenlos ansehen. Sie marschiert einfach durch alle Absperrungen hindurch und an allen Kontrolleuren vorbei und ich notgedrungen hinterher.
[Bild38] Nach dem Besuch des Vogelparkes sind wir eigentlich auf dem Weg nach Napier und zum Cape Kidnappers, wo wir uns die größte auf dem Festland lebende Tölpelkolonie der Welt (über 15.000 Tiere) ansehen wollen. Aber auf halber Strecke entschließen wir uns zu einem Anruf im Chateau im Tongariro National Park und erfahren, daß dort das Wetter erstmals seit Tagen gut ist. Also entschließen wir uns die ursprüngliche Route zu verlassen und wieder in Richtung Mt. Ruapehu zu fahren. Mit jedem Kilometer, den wir uns dem Gebiet nähern, steigt die Spannung. Eine ganze Weile verändert sich das Wetter nicht - es sind nur Wolken zu sehen. Aber dann passiert es. Wir sehen zum ersten Mal die Vulkane Mt. Ruapehu (2.797m), Mt. Ngauruhoe (2.291m) und Mt. Tongariro (1.968m) in voller Größe und Schönheit. Die immer noch aktiven Vulkane sind die Wahrzeichen und zugleich die Hauptattraktionen des Nationalparkes.
[Bild41] Der Mt. Ngauruhoe ist erst etwa 2.500 Jahre alt und damit der jüngste und auch der aktivste der drei Vulkane. Der Schichtkegel sieht aus wie aus dem Lehrbuch für Vulkane und besteht größtenteils aus weicher Asche und Schuttmaterial. Die letzten Aktivitäten wurden im Jahr 1954 registriert. Der Aufstieg zum Gipfel dauert ca. 2 Stunden, der Abstieg dagegen nur wenige Minuten, wenn man wie ein Skifahrer über den losen Geröllschutt gleitet.
Vollkommen anders sieht der Mt. Tongariro aus, der dem Massiv seinen Namen gegeben hat. Gewaltige Explosionen haben in der Vergangenheit Teile des Berges fortgesprengt. Mehr als zwölf kleine und größere Krater formen seine Spitze.
Der Kraterrand des Mt. Ruapehu ist dagegen kaum noch auszumachen. Sechs Zacken ragen empor. Auf dem Gipfel liegt ganzjährig Schnee, der trotz vulkanischer Aktivität zahlreiche Wintersportler anzieht. 1953 explodierte der Kratersee und löste eine Wasser- und Schlammlawine aus, die sich den Berg hinabwälzte und nachfolgend eine Katastrophe auslöste. Der Whangaehu wurde zu einem reißenden Fluß der eine Eisenbahnbrücke kurz vor dem Eintreffen des Zuges Auckland-Wellington zum Einsturz brachte. Der Zug stürzte in die Tiefe und riß 151 Menschen mit in den Tod. Die letzten Ausbrüche fanden 1969 und 1975 statt.
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Es ist zwar inzwischen bereits Nachmittag, aber wir zögern keine Sekunde. Wir buchen sofort einen Flug, denn die Gelegenheit ist günstig wie selten - man hat einen freien Blick auf die Vulkane. Seit wir das Gebiet Anfang Dezember verlassen haben, so wird uns später von Alf erzählt, ist das heute der erste richtig schöne Tag hier. Also ab ins Flugzeug und die Chance genutzt.
Was wir in den nächsten Minuten zu sehen bekommen, läßt sich nur schwer beschreiben. Der Flug verläuft viel ruhiger als am Mt. Cook. So kann Margit es diesmal auch entspannter genießen. Da wir mit dem Piloten allein sind, hat er ausgiebig Zeit uns alles zu zeigen und zu erklären. So erfahren wir, daß die Berge bei den Maoris heilig sind. Um sie vor dem weiteren Zugriff der weißen Siedler zu schützen, machte der Maorihäuptling Te Heuheu das gesamte Gebiet (26,3 km2) der neuseeländischen Regierung zum Geschenk. Heute umfaßt der Nationalpark bereits 782 km2. In der Ferne ist über den Wolken die Spitze des 2.518m hohen Mt. Egmont zu erkennen. Die Landung nach 45 Minuten kommt viel zu früh.
Im Anschluß an den Rundflug begeben wir uns zum Campingplatz und besuchen auch Alf im Chateau. Inzwischen können wir allerhand erzählen. Am Abend gehen wir nochmal in die benachbarte Pizzeria. Solch gute Pizza wie hier hab' ich mein Lebtag noch nicht gegessen. Übrigens werden unsere Geldreserven zusehends knapper. Auf dem Campingplatz bereiten wir noch unsere morgige Wanderung vor (Tongariro Crossing) und fallen dann in die Betten.
[Bild16] 23. Dezember 1996
Heute werden wir uns mal richtig verausgaben. Uns steht eine der schönsten Eintageswanderungen Neuseelands bevor: Tongariro Crossing. Die Wanderung führt durch viele Vegetationszonen und im Schatten der rauchenden Berge über vulkanisch aktives Gelände. Man trifft eiskalte und heiße Quellen, Bäche, Lavaströme, farbenprächtige Seen wie der Emerald Lake, aktive Krater und dichten Busch - es gibt alles zu sehen. Um 08.30 Uhr finden wir uns vor dem Visitor Centre ein und warten auf den Shuttle-Bus, der uns zum Startpunkt (Mangatepopo) bringt. Das Wetter ist heute sehr gut. Sofern man die Route in der vereinbarten Zeit (zwei Termine) geschafft hat, wird man am Nachmittag viele Kilometer weiter (Ketetahi) wieder abgeholt und zurückgebracht. Der Wanderweg beginnt am Ende der Mangatepopo Road, 6 km vom HWY 47 entfernt. Wir haben uns vorsichtshalber dick angezogen, denn man muß zu jeder Jahreszeit mit raschen Wetterveränderungen rechnen. Aber bereits nach wenigen Metern ist es wie beim Striptease: Alle paar Minuten fällt ein Kleidungsstück. Und der Rucksack wird voller und schwerer. Der Weg durch das Mangatepopo Valley wird zunächst gesäumt von einem kleinen Bach, vom Hahnenfuß und vom Red Tussock-Gras. Ein größeres Lavafeld schließt sich an. Trotzdem wachsen bereits wieder Moose und Flechten. Die rot-grau-schwarze Landschaft wird grüner und beginnt zu leben. Jedes Jahr kommen neue Pflanzen hinzu.




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Fast am Ende des Tals, das langsam aber stetig ansteigt, führt ein kleiner Abstecher zu den Soda Springs bevor man sich in eine Mondlandschaft begiebt. Hier bekommt für eine ganze Weile das letzte frische Wasser auf der Strecke. Durch das Wasser begünstigt, wachsen um die Quelle herum viele Blumen. Auf dem weiteren Weg ist in einem kleinen kurzen Anstieg der Sattel zwischen Mt. Ngauruhoe und Mt. Tongariro zu erklimmen. Dahinter öffnet sich eine weite trostlose Ebene die den Blick auf den Mt. Ngauruhoe und den South Crater freigibt. Wer den Mt. Ngauruhoe besteigen will, für den wird jeder Schritt zur Qual. Ein Schritt nach oben bedeuten oft zwei zurück. Auf dem losen Geröll gibt es wenig Halt. Wir ersparen uns dieses Unternehmen um etwas mehr Ruhe und Zeit auf dem Rest der Wanderung zu haben. Durch den riesigen South Crater führt ein Weg auf den Kraterrand zu (alle 50m steht ein Pfahl). Übertroffen wird das Ganze vom Anblick des Red Crater mit vollen Farben von purpurrot bis schwarz. In der Luft hängt ein leichter Schwefelgeruch. Weiter geht es zu den Emerald Lakes. Hier ist kein Baum und kein Strauch zu sehen. Nur das leise Zischen unterbricht die Stille. Der Abstieg ist ein besonderes Erlebnis. Die Mühen des Aufstiegs sind vergessen, wenn man im Eiltempo auf dem feinen Lavageröll nach unten schlittert. Wenn man unten angekommen ist, empfiehlt es sich erstmal die Schuhe zu leeren.
[Bild24] Generell sollte zur Ausrüstung für alle längeren Wanderungen im Tongariro-Nationalpark gutes Schuhwerk gehören, da das Vulkangestein oft messerscharf ist. Neben warmer und regendichter Kleidung sollte man auch unbedingt ausreichend Flüssigkeit mitnehmen.
Auf der Wanderung machen wir wieder eine Erfahrung, die wir schon mehrmals in Neuseeland machen durften: Ich laufe mit meinen Fotoapparaten durch diese urwüchsige Landschaft und fotografiere was das Zeug hält. Irgendwann jedoch erstirbt die Reflexbewegung zum Fotoapparat im Ansatz. Das Bild dieser Landschaft bleibt in der Erinnerung oder es bleibt gar nicht. Hier hat es schon vor tausenden von Jahren so ausgesehen und innerhalb der nächsten Jahrtausende wird sich daran wohl auch nicht viel ändern. Was kann hier überflüssiger sein, als Menschen in Shorts und T-Shirts? Wir stehen hier als Winzlinge in einer urwüchsigen Landschaft und sind einfach nur glücklich...
Die Wanderung geht inzwischen weiter durch den Central Crater vorbei am Blue Lake hinunter zur Ketetahi-Hütte. Oberhalb der Schutzhütte liegen versteckt die Ketetahi Springs, warme Quellen in höchst aktivem Gebiet. Der weitere Weg führt steil bergab. Zunächst geht es über einen Trampelpfad durch oft kniehohes Gras. Dann empfängt uns die Zivilisation wieder. Auf hölzernen Stegen, Treppen und befestigten Schotterwegen bringt man die letzten Kilometer durch Gras, Busch und schließlich Wald hinunter zu einem Parkplatz am Ende der Ketetahi Road hinter sich. Laut Reiseführer sollte man für die gesamte Wanderung etwa 9 Stunden einplanen. Wir sind zwar lediglich 7 Stunden unterwegs gewesen, haben aber auch den Aufstieg zum Kraterrand des Mt. Ngauruhoe ausgelassen. Ungeachtet dessen sind wir auch aufgrund der hohen Temperaturen ziemlich knülle. Die Wartezeit bis zur Ankunft des Busses verbringen wir damit, uns gegenseitig die müden Füße zu massieren.
[Bild34] Abend sitzen wir bei Alf im Chateau. Leider hat er vergessen, daß wir nur Tee trinken und keinen Kaffee. Ich versuche mir den Kaffee mit fünf Löffeln Zucker schmackhafter zu machen. Aber es bleibt dabei - kein Kaffee. So stürzt Margit vor lauter Durst ihre zwei und meine Tasse runter. Danach ist sie zwar topfit und kaum zu bändigen. Das rächt sich dann in der Nacht. Margit ist zwar irgendwie todmüde und k.o. von der Wanderung, aber die Wirkung des Kaffees läßt sie nicht schlafen. So quält sie sich durch die Nacht und schwört dem Kaffee endgültig ab.
[Bild20] 24. Dezember 1996
Der heilige Abend - bei Temperaturen über von 25°C kaum zu glauben. Ich bin heute nicht besonders gesprächig, denn auf dem weiteren Weg in Richtung Nordosten kommen wir wieder am Lake Taupo vorbei. Überall sind Hinweise auf bungy jumping zu finden. Da ich das schon seit gestern weiß, geht es mir irgendwie nicht so gut. Ich stehe unter Entscheidungsdruck. Heute oder nie! Alle paar Minuten überlege ich es mir anders. Es soll Leute geben, die nur wegen des bungy jumping nach Neuseeland kommen. A. J. Hackett machte Ende der achtziger Jahre den Sprung in die Tiefe mit dem Gummiseil für alle möglich. Heute gehört ihm eine der immer populärer werdenden bungy-jump-Organisationen in Queenstown. Beim bungy angekommen, schleiche ich bestimmt 30 Minuten zwischen Absprung, Shop und Videoraum hin und her. Ich weiß nicht ... Margit redet mir gut zu und schenkt mir letztlich den Sprung zu Weihnachten. Nun so sei es denn. Ich unterschreibe, daß ich nach meinem Tod keinerlei Ansprüche mehr habe (toller Witz) und begebe mich zum Absprung. Mein Sprung wird hier als Nummer 56.260 in die Annalen eingehen. Erstaunlicherweise fällt jetzt, da ich mich entschieden habe, jegliche Angst und Anspannung von mir ab. Ich bin wieder gelöst. Eine erstaunliche Erfahrung. Dann wird gewogen - 81 Kilo und das Gewicht wird schnell für die Leute am Absprung auf die Hand geschrieben, ein letzter Kuß und dann geht's los. Eine traumhafte Kulisse mit glasklarem Wasser zieht einen förmlich nach unten. Das ganze Unternehmen dauert zwar nur Sekunden, ist aber der Hammer. Der Moment, wenn man in die Tiefe saust und plötzlich abrupt wieder nach oben schnellt und sich die Anspannung löst, läßt sich nicht beschreiben - man muß es erleben. Und kaum hat man es heil überstanden, will man am liebsten wieder hoch und nochmal springen.
[Bild27] Die Route führt weiter in Richtung Napier, vorbei an romantischen Wasserfällen an denen wir eine längere Rast einlegen.
Am Abend erreichen wir das East Cape. Hier geht die Sonne auf. Der östlichste Punkt Neuseelands ist der erste Punkt des Festlandes, den die Sonne erreicht. Hier beginnt sozusagen der Tag auch für den Rest der Welt (mit Ausnahme einiger Inselreiche im Osten). Die Region am Kap gehört zu den einsamsten Gebieten Neuseelands. Fern der Haupttouristenzentren hat sich die Landschaft ihre Urtümlichkeit bewahrt. Hohe Bergzüge und dichter, undurchdringlicher Urwald mit tiefen Schluchten haben über Jahrhunderte diesen Teil des Landes isoliert. Erst die Küstenstraße, die East Cape Road, hat die Region zwischen Opotiki und Gisborne zugänglich gemacht. Sie ist 343 km lang, umrundet das Kap und teilt viel von der Schönheit dieser rauhen Landschaft mit. Einsame, verschlafene Küstenstädtchen wechseln sich ab mit wunderschönen, manchmal rauhen Stränden. In Te Araroa finden wir einen ruhigen Campingplatz. Nach einem Spaziergang zum Strand, für den wir uns durch eine Kuhherde schleichen müssen, essen wir bei Vollmond und Kerzenschein Abendbrot. Und dann kommt endlich der Weihnachtsmann...
[Bild17] 25. Dezember 1996
Die Region am Kap ist auch das größte Siedlungsgebiet der Maori. Beinahe ein Drittel des Landes ist im Besitz von Maori-Familien. Außerhalb der größeren Ortschaften liegt ihr Bevölkerungsanteil bei fast 60%.
Von fast allen Stellen der Küstenstraße ist die Silhouette von White Island, einer unübersehbaren, noch aktiven Vulkaninsel, zu sehen. Über der Insel, zu der man sich auch hinfahren lassen kann, schwebt fast ständig eine feine weiße Rauchwolke. Wir machen einen Stop, um uns am Strand zu erholen und stolpern bereits nach wenigen Metren über allerlei lebende und tote Meerestiere. Langusten, Muscheln, Seeigel und Krebse kann man hier säckeweise einsammeln. Eine große Muschel liegt, auch wenn es nicht so aussieht, im klaren Wasser. Wenn man sie berührt, zieht sie sich blitzschnell zurück. Da ist sie dann wie festgeschweißt. Wir lassen sie lieber an ihrem Platz. Die toten Seeigel haben häufig noch fast all ihre Stacheln und ihre "Zähne". Da sie sehr stabil sind, können wir es versuchen, sie ganz mit nach Hause zu nehmen. Die Langusten dagegen sind enorm zerbrechlich. Kaum berührt - schon zerbrechen sie wie sprödes Glas in tausend Stücke. Schade!
Besonders anziehend ist die Landschaft um die Weihnachtszeit, wenn abertausende von Pohutukawa-Bäumen in voller Blüte stehen. Darüber hinaus ist das Gebiet auch ein Zentrum des Obstanbaus (u.a. Kiwis).
Den Abend verbringen wir wieder am Strand (Ohope Beach).
[Bild05] 26. Dezember 1996
Auf der weiteren Wegstrecke liegt Rotorua. Die Stadt (48.000 Einwohner), die 221 km südlich von Auckland liegt, muß wohl die Stadt sein , die der Hölle am nächsten liegt. Jedenfalls riecht es hier so. Trotzdem ist die Stadt bei den Touristen nach Queenstown eines der beliebtesten Reiseziele. Rotorua liegt in einem weltweit einzigartigem, aktiven Thermalgebiet mit Geysiren, dampfenden Kratern und blubbernden und stinkenden Schlammlöchern. Über der Stadt liegt ständig ein Schwefelgeruch, der stark an faule Eier erinnert. Der Name, den die Maori dem Ort gaben, spricht da wohl Bände: Whangapipiro bedeutet soviel wie "fürchterlich stinkender Platz".
Die bekannteste und größte Thermalzone ist Whakarewarewa, 3 km südlich vom Zentrum. Hier läßt z.b. der Pohutu-Geysir eine bis zu 30m hohe Fontäne in die Luft schießen. Um ihn herum liegen sechs weitere Geysire, Mineralteiche, Schlammlöcher, Sinterterassen und heiße Quellen. Die Stadt ist außerdem das Zentrum des Arawa-Stammes und gilt als Maori-Hochburg. Nirgendwo sonst in Neuseeland wohnen mehr Maori zusammen als in Rotorua. Hier ist ihre Kultur lebendig geblieben und wird mit Kriegstanzvorführungen (haka) und traditionellen Essen (hangi) gepflegt und in klingende Münze umgesetzt. Auf dem Gelände des Whakarewarewa Mineral Reserve steht eine Nachbildung einer Maorisiedlung, die zeigen soll, wie die Maori alltäglich mit den heißen Quellen umgehen. Demonstriert werden hier z.b. das Kochen, Waschen und Baden mit und in heißem Dampf. Auch eine Schnitzerschule und ein Zentrum für Kunsthandwerk sind auf dem Gelände zu besichtigen. Hierher darf jeder Maoristamm einen begabten Schnitzer in die Lehre schicken. Die Schule widmet sich auch der Traditionspflege und ist ein Anziehungspunkt für viele selbstbewußte Maori aus dem gesamten Land. Altes, überliefertes Handwerk wie Schnitzen, Weben und das Herstellen von Jadeschmuck werden hier gelehrt.
[Bild35] 27. Dezember 1996
Wir fahren weiter zur Coromandel-Halbinsel. Nirgendwo in Neuseeland ist auf so kleinem Gebiet die Landschaft so kontrastreich wie hier: Auf der einen Seite bizarre Berge vulkanischen Ursprungs und von üppigem Busch überwuchert. Auf der anderen Seite eine tief zerklüftete Küste mit traumhaften Buchten und Sandstränden, die häufig von Pohutukawa-Bäumen gesäumt sind. Unasphaltierte Straßen führen über die Halbinsel hinein in dichte Farn- und Palmenwälder. Markierte Wanderwege leiten zu ehemaligen Holzfäller- und Goldsuchersiedlungen.
Wir wollen in der Nähe von Hahei Beach auf einen Campingplatz. Seit Weihnachten sind die Campingplätze auf einmal total voll. Ein ganzes Land macht Ferien. Zum Glück findet sich noch ein Plätzchen für uns. Die Sandstrände um Hahei sind eigenartig rosarot gefärbt, was von den unzähligen zermahlenen Muscheln kommt. Ein einmaliges Schauspiel zeigen auch zwei Felslöcher ("blowholes"), durch die das anrollende Wasser bei Flut wie riesige Geysire in die Luft spritzt. In der Nähe liegt auch die Cathedral Cove, eine natürliche Felsbrücke und der Hot Water Beach. Heißes Thermalwasser dringt hier durch den Sand. Bei Ebbe kann man sich eine Grube in den Sand graben, die sich dann langsam mit heißem Wasser füllt. Allerdings sollte man das Wasser mit kühlerem Meereswasser mischen, da es sonst sehr heiß werden könnte. Bei einer Rast am Strand treffen wir einen deutschen Touristen, der per Fahrrad unterwegs ist. Mit ihm unterhalten wir uns gut. Da für ihn die Reise erst beginnt, können wir ihm ein paar nützliche Tips mit auf den Weg geben.
[Bild29] 28. bis 30. Dezember 1996
In den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel wollen wir noch einen Ausflug nach Norden, in die Bay of Islands machen. Zuvor legen wir noch einen kurzen Stop in Auckland ein, um bei EVA-Airways unser Problem mit der verlorengegangenen Tasche zu klären. Doch mehr als 100 NZ$ ist die Fluggesellschaft nicht bereit zu bezahlen. So bekommen wir jedoch wenigstens etwas Geld zurück. Danach nutzen wir die Zeit um unsere Filme abzugeben. Das ist gar nicht so einfach. Die Preise schwanken extrem. In unterschiedlichen Geschäften erleben wir da so einiges. Gerade die kleinen sind scharf auf unseren Auftrag, aber zu teuer. Mit unseren Preisvorstellungen bringen wir einen Chinesen ziemlich in Wut. Aber letztlich machen wir woanders noch ein gutes Geschäft.
In einer Werkstatt lassen wir unser Auto von einem Mechaniker (ein Holländer) von den letzten Spuren der Grabenfahrt am Franz-Josef-Gletscher reparieren. In fünf Minuten ist alles erledigt und nichts mehr zu sehen. Bezahlen müssen wir auch nichts. Glück gehabt. Wir bestätigen noch unsere Rückflüge und gehen nochmal zum Shopping auf den Victoria Market. Die Nacht wollen wir noch in Auckland auf einem Campingplatz verbringen. Leider haben wir uns diesmal total vergriffen. Die Anlage kommt uns vor wie die Bronx in New York - Camper sind keine zu sehen nur einheimische Maori. Wir werden mit unserem Auto begafft wie Marsmenschen. Da uns das Ganze doch etwas unheimlich vorkommt, Margit sich sogar weigert, das Auto zu verlassen und ich auch morgen noch gern alle Räder am Auto hätte, flüchten wir regelrecht, obwohl wir für die Übernachtung schon bezahlt haben. Aber das ist uns im Moment egal. Nur weg hier! Der Campingplatz, den wir danach finden, ist das ganze Gegenteil: gemütlich, sauber und sogar mit Weihnachtsbaum in der Küche, so daß es uns gleich besser geht.
[Bild42] Auf dem Weg zur Bay of Islands erwischt uns der neuseeländische Ferienverkehr (Stau, Unfälle). Die Campingplätze sind total ausgebucht und zu guter letzt fängt es auch noch an zu regnen. Schließlich fahren wir nach Paiha auf einen Campingplatz (im Prinzip eine abgesperrte Wiese) mit lauter Halbstarken, aufgemotzten Autos, lauter Musik und leeren Flaschen und Bierdosen. Wahrscheinlich bereitet man sich hier auf Silvester vor. Wir vertreiben uns die Zeit im Ort mit Shopping und essen. Es regnet immer noch pausenlos. Aber zum Glück ist es warm.
Zu den Highlights in der Region zählen neben vielen Spuren der Geschichte Neuseelands auch die traumhaften Küstengebiete und die Tierwelt (u.a. mit Delphinen und Pinguinen). Wir sehen uns das Waitangi-Treaty-House an. Hier beginnt die Geschichte des modernen Neuseeland. In diesem Haus, 1832 für den Repräsentanten der britischen Krone, James Busby gebaut, wurde der "Vertrag von Waitangi" unterzeichnet. Damit akzeptierten die einheimischen Maori die britische Königin Victoria als ihr Oberhaupt. Gleichzeitig verpflichtete sich die Königin, die Ureinwohner als gleichberechtigte Untertanen anzuerkennen und sie zu schützen. Das Haus von James Busby liegt heute in einem großzügigem Park.
[Bild08] 31. Dezember 1996
Wir sind wieder in unserem Motel in Auckland angekommen. Am Vormittag steht eine Generalreinigung des Autos auf dem Programm. Als wir das Auto, das von außen und innen wieder blitzt, abgeben, werden die diversen kleinen Schäden (Kotflügel, Scheibe) nicht bemerkt. Den Rückweg treten wir nun zu Fuß an. Da es aber bis zum Motel ein weiter Weg ist, beschließen wir den Bus zu nehmen.
Am Abend steigen wir mit einer Flasche Sekt auf den One Tree Hill und erwarten das neue Jahr, einen halben Tag bevor es in Deutschland so weit ist. Um uns herum füllt es sich zusehends mit Menschen. Das Silvesterfeuerwerk ist spärlich, beginnt genau 00.00 Uhr und dauert ganze 5 Minuten. Alles läuft sehr ruhig und friedlich ab. Das ist nicht in allen Teilen Neuseelands so, wie wir später aus Fernsehen und Zeitung erfahren. In einigen Gebieten (z.b. der Bay of Islands) kam es zu regelrechten Schlägereien und Randalen. Wir kehren nach einer Weile zurück in unser Motel wo es immerhin noch ein kleines Tischfeuerwerk gibt.

01. Januar 1997
5 Wochen Neuseeland liegen hinter uns. Es war ein Traum! Die Trennung fällt schwer. Aber wir sind mit Souvenirs, Geschenken, Fotos und Erinnerungen bepackt wie die Lastesel. Und zum Abschluß schwören wir, daß wir in zwanzig Jahren wieder hier stehen werden.


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