Der Abel Tasman Nationalpark


Der Abel Tasman Nationalpark, etwa 70 km von Nelson entfernt, ist mit 22.541 ha der kleinste des Landes. Das Gebiet umfaßt die vorspringende Landmasse zwischen den beiden großen Buchten Tasman und Golden Bay. Die herrliche Küstenlandschaft macht diese Region zu einem der beliebtesten Feriengebiete. Ausgedehnte Wattflächen an den Mündungstrichtern der Flüsse (sogenannte Ästuare) wechseln mit meist goldgelben Sandstränden und einer stark zerklüfteten Felsküste. Die geologische Grundlage bildet ein grober Granit, der an der Küste stark exponiert ist. Hier formen Brandung und Wind bizarre Felsskulpturen, die anschaulich verschiedene Stadien des Erosionsprozesses verdeutlichen. Auch die Farbe der Strände verweist auf den Granit als das dominante Grundgestein. Durch mechanische Verwitterung zerfällt dieses bereits im Hügelland in seine drei Hauptbestandteile: Feldspat, Quarz und Glimmer. Über die Wasserläufe gelangen die Mineralien dann ins Meer, wo die Strömung sie an die Sandstrände schwemmt. Wer genau hinsieht, kann in den Bachbetten und am Strand winzige milchweiße Quarzpartikel oder golden funkelnden Glimmer entdecken.

An der Westküste des Parks geht der Granit in ein älteres Marmorgestein über. Die Hochfläche des Takaka Hill (Marble Mountain) zeigt Karstformen, die von der erstaunlichen Wasserlöslichkeit des Marmors erzählen. Als Europäer Mitte des 19. Jh. das Gebiet besiedelten, veränderten sie die Landschaft: Die natürliche Vegetation mußte vielfach dem Farmland weichen, Baumriesen lieferten Holz für die expandierende Bootsbauindustrie. Erst im Jahr 1942 gelang es engagierten Naturschützern, anläßlich des 300. Jahrestages der Entdeckung durch Abel Tasman, einen Nationalpark einzurichten. Die Hauptgefahr für diese "Landschaft in Genesung" ergibt sich heute durch die Unvorsichtigkeit der Besucher mit offenem Feuer. Sie führte in den letzten Jahren immer wieder zu gefährlichen Bränden, die große Buschflächen und zahlreiche Tiere vernichtet haben.

Die Hauptattraktion des Parkes ist der 49 km lange, gut befestigte Coast Track zwischen Marahau und Wainui (3-4 Tage sollten dafür eingeplant werden). Wegen der überfüllten Hütten empfiehlt es sich im Sommer ein Zelt mitzunehmen. Einsame goldgelbe Strände mit verträumten Buchten, gesäumt von hohen Farnen und Laubbäumen zwingen förmlich zum Baden und Faulenzen. Ständig ändert sich die Landschaft: Mal geht es durch dichten Regenwald mit hohen Farnbäumen, mal durch lichten Busch und immer wieder kommt man zu romantischen Stränden und Buchten, die sich fast immer im Sonnenschein präsentieren.

Die Informationen wurden dem REISEFÜHRER NATUR - NEUSEELAND von Matthias Schellhorn entnommen (BLV Verlagsgesellschaft München 1993).

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